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Wenn ein Reisender in einer Winternacht von Italo Calvino


Originaltitel: Se una notte d'inverno un viaggiatore
Wenn ein Reisender in einer Winternacht
Autor: Italo Calvino
ISBN: 3937793429
Genre: Klassiker
Serie: SZ Bibliothek
Ort: Italien
Zeit: keine Angabe
Sonstiges: SZ Bibliothek Band 50
Note: Note: 2


"Du schickst dich an, den neuen Roman "Wenn ein Reisender in einer Winternacht" von Italo Calvino zu lesen. Entspanne dich..."

Calvinos Roman ist ein raffiniertes literarisches Verwirrspiel. In ihm kauft sich ein Leser einen Roman des Autors Italo Calvino, der den Titel trägt "Wenn ein Reisender in einer Winternacht". Er beginnt ihn zu lesen, kommt aber nicht über die ersten Seiten hinaus. Ab Seite 17 wiederholt sich der Text, der Leser ist überzeugt, dass das Buch falsch gebunden sein muss. Er bringt es zurück in die Buchhandlung, um es umzutauschen. Dabei erfährt er, dass der Roman beim Binden mit dem Text eines polnischen Schriftstellers verwechselt worden ist. Was er gelesen habe, stamme nicht von Calvino, sondern von diesem osteuropäischen Autor. Der Leser nimmt dessen Roman mit nach Hause, nur um bald schon neue Fehler und Verwirrungen festzustellen. Erneut geht er zurück in die Buchhandlung, und kehrt mit einem neuen Roman zurück. Wird er diesmal endlich eine ganze Geschichte lesen können?


„Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ ist sicher einer der ungewöhnlichsten Romane, die ich bislang gelesen habe, denn das Stilmittel der parallelen Erzählebenen wird hier bis zum äußersten betrieben. Die Geschichte beginnt eigentlich ganz harmlos, ein Leser stellt plötzlich fest, dass der soeben erworbene Roman ein Fehldruck ist und er nicht weiterlesen kann. Aufgebracht will er den Roman in der Buchhandlung umtauschen, erhält ein neues Exemplar, doch dieses hat mit dem bisher Gelesenen nicht das Geringste zu tun. Gerade an der spannendsten Stelle gibt es wieder ein Problem mit dem Druck und erneut muss er das Lesen unterbrechen und sich auf den Weg machen, ein vollständiges Exemplar zu erhalten. Das Besondere an dieser Geschichte ist nicht die soeben erzählte Rahmenhandlung, sondern vielmehr die Tatsache, dass der Leser ebenfalls alle Romananfänge zu lesen bekommt und so Empörung und Frustration der namenlosen Hauptfigur (die einfach nur „der Leser“ genannt wird) teilt. In den Abschnitten über den Leser wird die Grenze zwischen Realität und Imagination noch weiter verwischt, denn durch die wechselnde Erzählweise in der dritten Person (eben der Leser) oder der zweiten Person („du“) und dem Spiel mit den eigenen Erfahrungen kann sich der echte Leser nur allzu gut mit der Romanfigur identifizieren, was von Calvino auch deutlich beabsichtigt ist. Während die Suche des Lesers nach einem vollständigen Buch immer absurdere Ausmaße annimmt, da er dabei in die merkwürdigsten Situationen gerät, liest er die Romananfänge zehn unterschiedlicher Romane, die alle irgendwie miteinander zusammenzuhängen scheinen und doch nichts miteinander zu tun haben.
Sprachlich erinnert mich Calvinos hintergründiges und an vielen Stellen fast absurd-komisches Verwirrspiel etwas an Kundera, genügend Konzentration und ein Augenzwinkern sind die Voraussetzungen, die nötig sind, um mit dem Reisenden in einer Winternacht vergnügliche Lesestunden zu erlangen. Wer sich darauf einlässt, bekommt dann aber genau das geboten – inkl. vieler allzu wahrer Aussagen über Leser und Bücher, einer grotesken Verschwörung sowie einem gewissen (aber angenehmen!) Grad an Verwirrung und der Schlussfolgerung, dass Realität und Imagination manchmal eben nur schwer zu trennen sind.


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