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Fast ein bisschen Frühling von Alex Capus
| Kurzbeschreibung: |
"Das ist die wahre Geschichte der Bankräuber Kurt Sandweg und Waldemar Velte, die im Winter 1933/34 den Seeweg von Wuppertal nach Indien suchten. Sie kamen nur bis Basel, verliebten sich in eine Schallplattenverkäuferin und kauften jeden Tag eine Tango-Platte..."
Zwei arbeitslose Burschen, Kurt Sandweg und Waldemar Velte, suchten im Winter 1933 den Seeweg von Wuppertal nach Indien. Um sich das Reisegeld zu beschaffen, überfielen sie eine Bank, wobei sie versehentlich den Filialleiter erschossen. Auf der Flucht vor ihren Verfolgern kamen sie nicht sehr weit: In Basel verliebte Kurt Sandweg sich in die Schallplatten-Verkäuferin Dorly Schupp. Tag für Tag kauften er und sein Freund eine Tango-Platte, bis das Geld aufgebraucht war und der nächste Banküberfall nötig wurde. Abend für Abend gingen die drei am Rhein spazieren. Mit von der Partie war die junge Sportartikelverkäuferin Marie Stifter, die dreißig Jahre später die Großmutter des Erzählers wurde und die sich entscheiden musste zwischen einem Bankräuber und ihrem Verlobten. |
| Rezension: |
„Fast ein bisschen Frühling“ ist es in Basel im Winter 1934, als die beiden deutschen Bankräuber Kurt Sandweg und Waldemar Velte hier auf der Flucht stranden und sich verlieben. So unterschiedlich die beiden sind, so unglaublich ist ihre Situation, fast vergleichbar mit dem zeitgleich in Amerika agierenden Gangsterpärchen Bonnie und Clyde. Und ähnlich wie bei diesen beiden sympathisiert man mit den Bankräubern und ist zugleich aber abgestoßen von deren Brutalität. Alex Capus gelingt es auf knapp 160 Seiten ein derart authentisches Bild der Figuren und vor allem des politischen und gesellschaftlichen Hintergrunds zu malen, dass es eine wahre Freude ist, ihm zu folgen. Als Erzähler fungiert der Enkelsohn der Frau, die zusammen mit der Schallplattenverkäuferin Dorly und den beiden Männern zwei schöne Abende am Rhein verbringt. Auch wenn das Hauptaugenmerk auf den Ereignissen vor über 70 Jahren liegt, so werden doch immer wieder einzelne Episoden aus der Gegenwart bzw. näheren Vergangenheit eingeblendet, mit denen der Leser ein noch umfassenderes Bild der beiden Figuren und vor allem deren Leben erhält.
Diese Geschichte, die aus den Zusammenfassungen des Erzählers, aber auch Zeitungsberichten und Zeugenaussagen besteht, sprüht trotz aller Dramatik vor Witz - die Figuren und Ereignisse pendeln zwischen düsterer Realität und absurder Skurrilität und nicht selten bleibt einem das Lachen im Halse stecken oder das Stirnrunzeln wird von einem Schmunzeln verscheucht. Und wenn der Erzähler am Ende der Geschichte berichtet, was aus den Beteiligten später geworden ist, ist dies der gelungene Abschluss eines kleinen feinen Romans, den ich all denen bedenkenlos weiterempfehlen kann, die besondere Geschichten zu schätzen wissen. |
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