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Schande von J. M. Coetzee
| Kurzbeschreibung: |
"Für einen Mann seines Alters, zweiundfünfzig, geschieden, hat er seiner Ansicht nach das Sexproblem recht gut im Griff. Donnerstag nachmittags fährt er immer nach Green Point..."
Ein weißer südafrikanischer Literaturprofessor fällt wegen einer Affäre mit einer Studentin in Ungnade und muss seine Universitätskarriere beenden. Er zieht sich auf die Farm seiner allein lebenden Tochter zurück und wird dort Zeuge eines Albtraums der Gewalt. |
| Rezension: |
Literaturprofessor Daniel Lurie stolpert über eine unbedachte Affäre mit einer Studentin, die das Aus für seine Karriere bedeutet. Obwohl er die Möglichkeit hat, zu den Vorwürfen Stellung zu beziehen und ihm angedeutet wird, dass die Angelegenheit mit Umsicht behandelt werden könnte, nimmt er dieses Angebot nicht an. Er verweigert den Ausdruck von Reue und zieht sich lieber auf die Farm seiner Tochter zurück. Als diese Opfer eines brutalen Verbrechens wird, vor dem er sie nicht schützen kann, sind beide von "Schande" gezeichnet. Ähnlich wie er wählt sie ihren eigenen Weg, mit der Situation umzugehen, ähnlich wie er will sie kein Federlesen, sondern schottet sich ab und will das Erlebte alleine mit sich ausmachen. Lurie kann und will dies nicht akzeptieren, doch letztendlich muss er ihren Willen akzeptieren.
Was nüchtern und distanziert beginnt, entwickelt sich im Laufe der Seiten in ein menschliches Drama, bei dem deutlich wird, wie sehr beide Protagonisten in ihren Gefühlen und ihrem Handeln gefangen sind. Beide kommen mit Schande in Berührung, der Vater als Täter, die Tochter als Opfer, und trotz ihrer beider Stigmatisierung finden sie nicht zueinander. Coetzee verarbeitet einige politische (z.B. Apartheid) und poetische (z.B. Oper) Themen in seinem mit dem Booker Price ausgezeichneten Roman, die noch lange nachwirken und doch für die Protagonisten und für den Leser zunächst nur ein Mosaiksteinchen ihres Lebens sind. Das Gesamtbild, das dabei entworfen wird, ist tragisch, nicht zuletzt aufgrund der menschlichen Fehlbarkeit, die durch das Verhalten aller Figuren hindurchscheint. Ein intensives Buch über Moral, Angst, Vertrauen und Isolation und den Umgang mit den eigenen Wünschen und Bedürfnissen. |
| Weitere Bücher von J. M. Coetzee: |
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