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Tannöd von Andrea Maria Schenkel


Originaltitel: Tannöd
Tannöd
Autor: Andrea Maria Schenkel
ISBN: 3894014792
Genre: Krimi / Thriller
Serie:
Ort: Deutschland
Zeit: 50er Jahre
Sonstiges: k.a.
Note: Note: 2


"Den ersten Sommer nach Kriegsende verbrachte ich bei entfernten Verwandten auf dem Land, In jenen Wochen erschien mir dieses Dorf als eine Insel des Friedens..."

Sie nennen ihn nur noch den Mordhof, den einsam gelegenen Hof der Danners in Tannöd. Eine ganze Familie wurde in einer Nacht ausgelöscht, mit der Spitzhacke erschlagen. Gemocht hat sie kaum jemand, mürrische, geizige Leute waren sie und den ein oder anderen hat der alte Bauer wohl auch übers Ohr gehauen. Aber selbst die Kinder wurden grausam ermordet, und so geht die Angst um im Dorf, denn vom Mörder fehlt jede Spur. Unheimlich wird es, weil man jeden Schritt des Mörders mit verfolgt, ihn beobachtet bei seinen alltäglichen Verrichtungen, ohne seine Identität zu kennen. Die spannende Unruhe, die einen bis zum Ende nicht verlässt, löst sich erst auf, wenn das Mosaik komplett ist.


Tannöd ist ein ganz außergewöhnlicher Krimi, denn er kommt nicht nur ohne Ermittler wie in einem klassischen Plot, und ohne echten Erzähler, sondern nahezu auch ohne tatsächliche Handlung aus. Ein Unbekannter wird Zeuge der Berichte zahlreicher Dorfbewohner, denen die Opfer mehr oder minder gut bekannt waren. Diese Berichte tragen die "Handlung", sie rekapitulieren die Ereignisse vor und an dem schicksalträchtigen Wochenende, an dem die Bewohner des Hofes Tannöd brutal erschlagen wurden. Jeder Bericht ist tief geprägt von der Persönlichkeit des Erzählenden und dessen oder deren Verhältnis zu den Opfern. Dies schlägt sich nicht nur in den enthaltenen Informationen, sondern auch in Sprache und Emotion nieder, was sie für mich besonders intensiv und authentisch machten. Ob die geistig leicht verwirrte alte Witwe im Altenheim oder die Schulfreundin der Tochter - sie alle sind wirklich vor meinem geistigen Auge auferstanden und trugen ihr Mosaiksteinchen dazu bei, die grausame Tat, Täter und Motiv zu enthüllen.

Eingestreut in die zahlreichen Zeugenberichte und Meinungen sind die aktuellen Handlungen des Täters - unerkannt bis zum Schluss begleitet ihn der Leser bei seinem heimlichen Treiben zur Vertuschung der Tat - und alte Gebete, besser gesagt Fürbitten. Fürbitten für die Toten und meiner Meinung nach auch für die Lebenden, die sich in unterschiedlichem Ausmaß durch ihr Verhalten oder ihr Wegsehen möglicherweise mitschuldig gemacht haben.

Ein beeindruckender Krimi der ganz anderen Art, der bei mir einen richtigen Sog zum Weiterlesen ausgelöst hat, und auch wenn mich die Auflösung nicht 100% überzeugt hat, der (zunächst gewöhnungsbedürftige) Stil hat es allemal!


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