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Venuspassage von Lorenz Schröter


Originaltitel: Venuspassage
Venuspassage
Autor: Lorenz Schröter
ISBN: 3434530770
Genre: Historisch
Serie:
Ort: Indien
Zeit: 18. Jahrhundert
Sonstiges: k.a.
Note: Note: 3


"Es war ein reiner, trostloser Morgen, frierende Möwen schrien aus der Luft, ein leichter Nebel lag über dem schieferfarbenen Wasser, als der Astronom die leise in ihren Seilen ächzende Berryer betrat, einen Dreimaster, dessen Klüverbaum wie das Horn eines Einhorns über den Schiffsschnabel am Bug hinausragte. Darunter, an den Backen des Schiffsschnabels, begann die Reling, die im Rücken der Gallionsfigur endete, ein meergegerbtes Löwenhaupt mit der Krone des Königs von Frankreich, in dessen Auftrag die Reise genau dorthin führen sollte, woher die Schwalben soeben zurückkehrten: in den Süden..."

Der Astronom Guillaume Le Gentil - als Mitglied der Pariser Akademie der Wissenschaften ein so genannter "Unsterblicher" - reist im Jahre 1760 nach Indien, um dort zu beobachten und zu vermessen, wie genau an einem ganz bestimmten Tag die dunkle Planetenscheibe der Venus vor der Sonne sichtbar wird. Von den Messergebnissen erhoffen sich die Forscher zu erfahren, wie weit die Sonne von der Erde entfernt ist, eine in jenen Jahren unerhört heftig diskutierte Frage. Le Gentil hat fast sein gesamtes Leben auf diesen Moment hingelebt, und als ihn ein Krieg daran hindert, sein Ziel zu erreichen, hält er sich für gescheitert - bis er nach zahlreichen Abenteuern in der Südsee, die ihn auch als Menschen völlig verändern, eine zweite Chance erhält.


In diesem Roman nimmt sich Lorenz Schröter eines ehrgeizigen Wissenschaftlers des 18. Jahrhunderts an, der sein ganzes Leben auf einen bestimmten Moment ausrichtet, um zu Ruhm zu gelangen und seinen Teil zu der Erkenntnis über die Welt beizutragen. In der ersten Hälfte der Geschichte tut sich der Leser schwer, dabei zu bleiben, zu nüchtern wird hier erzählt, zu viele Begriffe vorausgesetzt, um den unbedarften Leser zu fesseln. Die Geschichte liest sich mehr wie eine Abhandlung oder ein trockener Bericht und kann leider kaum überzeugen. Etwa ab der Hälfte (in meinem Fall kurz vom Abbrechen des Buches) ändert sich dies jedoch (warum auch immer): die Hauptfigur wird menschlicher, greifbarer und somit auch interessanter. Die Beschreibungen der Örtlichkeiten, das Leben auf dem Schiff, die Probleme der langen Fahrten über die Weltmeere, all das wird lebendiger und regt die Fantasie des Lesers an. So fühlt, leidet und zittert er mit Le Gentil dem entscheidenden Moment entgegen, der über Erfolg über Niederlage, über die Mühen eines ganzen Lebens entscheidet. Wie dieser Moment ausgeht, ist Geschichte und im letzten Moment ist es Lorenz Schröter dann doch noch gelungen, dem unglücklichen Wissenschaftler mit diesem Roman ein würdiges Denkmal zu setzen. Empfehlenswert für alle, die sich für Astronomie-Geschichte interessieren und einen langen Atem haben!


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