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Die Memoiren der Zarin Katharina II. von ihr selbst geschrieben von Zarin Katharina II.


Originaltitel:
Die Memoiren der Zarin Katharina II. von ihr selbst geschrieben
Autor: Zarin Katharina II.
ISBN: 3828905560
Genre: Biographie
Serie:
Ort: Russland
Zeit: 18. Jahrhundert
Sonstiges: k.a.
Note: Note: 2


Ein faszinierendes historisches Dokument. Der Herausgeber schwärmt: ''Indem man diese Blätter liest (...) sieht man sie zu dem heranbilden, was sie später gewesen. Ein lebhaftes Kind von 14 Jahren coiffiert à la Moise, blond, muthwillig, verlobt mit einem kleinen Idioten, dem Großfürstem, leidet sie schon an der Krankheit des Winterpalastes, an dem Durst nach Herrschaft.'' - Reprint der Ausgabe von 1863! (Quelle: weltbild.de)


Eines ist allen selbst verfassten Memoiren gemeinsam: Sie sind subjektiv. Das gilt auch für die Memoiren, der späteren Zarin Katharina II. (Katharina die Große). Dies sollte man sich beim Lesen dieser Erinnerungen, die von 1744 bis 1759 reichen, also aus der Regierungszeit von Zarin Elisabeth stammen, vergegenwärtigen, denn das Leben am Hofe und insbesondere ihr Mann, der spätere Zar Peter III., wird in keinem guten Licht geschildert: Ein kindischer, dummer Junge, der lieber mit Zinnsoldaten und Puppen spielt, dem Alkohol sehr zugetan ist und keine Lust hat, sich mit Russlands Belangen auseinanderzusetzen. Neben einem Ehemann, der sie nicht liebt, muss Katharina auch mit dem streng reglementierten und hoffnungslos langweiligen Leben am Hofe zurecht finden. Sie hat keine Freunde und ihr anvertraute Dienerinnen werden umgehend entlassen, sobald sie ihnen vertraut und ihnen ihre Zuneigung schenkt. Je nach dem Willen der amtierenden Kaiserin hat ihr das gesamte Hofgefolge, darunter auch Katharina überall hin zu folgen, wohin sich Ihre Majestät auf ihren zahlreichen Reisen begibt, vom ständigen Wechsel zwischen Winter- und Sommerresidenz abgesehen. Überhaupt ist das Verhältnis zu ihrer "Schwiegermutter" (wobei ihr Mann der Neffe der Zarin ist) überaus kompliziert und schwankt zwischen Wohlwollen und Furcht. Es muss ein schreckliches Leben für eine so kluge und kulturell interessierte Frau wie Katharina gewesen sein, mit der ich auf keinen Fall hätte tauschen wollen.

Auch wenn ich bis zum Ende Probleme hatte, die zahlreichen auftretenden Personen, insbesondere die ständig wechselnden Hofdamen, Minister und Günstlinge am Hof auseinanderzuhalten, erhält man mit der Lektüre der Memoiren von Katharina II. einen eindrucksvollen Einblick in eine ganz eigene Welt mit ihren eigenen, strengen Gesetzen. Dabei sollte man sich allerdings darauf einstellen, dass sich die Langeweile und Monotonie am Zarenhof stellenweise auch an den sich scheinbar häufiger wiederholenden Berichten über Reisen, Ausflüge, Feste, etc. widerspiegelt.

Dennoch wird schon aus den Aufzeichnungen der frühen Jahre deutlich, wie Katharina zu der Frau wurde, die ihren Mann per Staatsstreich entthronen ließ und selbst als Zarin die Macht über das russische Volk übernahm. Bemerkenswert ist, dass in ihren Aufzeichnungen nichts über eben dieses russische Volk zu lesen ist. Wer sich erhofft, in ihren Memoiren etwas über ihr angeblich so ausschweifendes Liebesleben mit diversen Liebhabern zu lesen, wird enttäuscht und die hier vorliegende Ausgabe der Memoiren endet abrupt im Jahr 1759, also noch vor dem Staatsstreich gegen ihren Mann. Angeblich hat es durchaus noch mehr Notizen gegeben, die aber nach ihrem Tod vernichtet wurden. Schade, diese Aufzeichnungen hätten sich bestimmt so spannend wie ein Krimi gelesen.

Auf jeden Fall hat die Lektüre dieser Memoiren mich neugierig gemacht, noch mehr (und aus verschiedenen anderen Quellen) über diese faszinierende Frau zu lesen, die als einzige russische Regentin den Beinamen "die Große" erhielt.


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