|
Der Schneemann (HB) von Jörg Fauser
| Kurzbeschreibung: |
| "Der Schneemann" ist die Geschichte des Kleinkriminellen Blum, der durch Zufall an fünf Pfund Kokain gerät. Der Traum vom sorglosen Leben auf den Bahamas rückt in greifbare Nähe, wären da nicht die Profis des Rauschgifthandels, die Blum sein "Eigentum" wieder abjagen wollen. Von Malta über München, Frankfurt, Amsterdam bis Ostende schleppt er den in Old-Spice-Rasierschaum versteckten "Schnee" mit sich herum, ohne damit endlich "die großen Lappen an Land zu ziehen." |
| Rezension: |
Der "Schneemann" ist ganz sicher kein Krimi im klassischen Sinn, sondern vielmehr ein Abbild der Gesellschaft in den 70er/80er Jahren. Fausers Protagonist Blum ist eigentlich ein Verlierer, der sich mit allen möglichen Gelegenheitsjobs (zuletzt: Verkauf von Pornoheftchen auf Malta) durchschlägt, als ihm durch Zufall 2,5 Kilogramm Kokain in die Hände fallen. Nun gilt es diese, möglichst gewinnbringend wieder loszuwerden, doch das ist für Blum gar nicht so einfach. Wie er in München, Frankfurt, Amsterdam und schließlich im belgischen Ostende versucht, den Schnee zu Geld zu machen, davon erzählt diese irrwitzige Geschichte. Dass sich Blum, der über zu wenig kriminelle Energie verfügt, um den Deal eiskalt durchzuziehen, und zu sehr an seinen eigenen Vorteil denkt, um den unverhofften Fund einfach bei der Polizei abzugeben, dabei selbst am meisten im Weg steht, ist Sinnbild einer Generation, die irgendwo zwischen den Stühlen sitzt. Blum wird zum Opfer seiner eigenen Courage und zunehmend paranoider. Fausers große Stärke liegt in der Charakterisierung seiner Figuren, die in ihrer Skurrilität eine solche Tristesse und Normalität versprühen, dass zu keinem Augenblick Zweifel an ihrer Authentizität aufkommen. "Der Weg ist das Ziel" und so gibt es kaum unerwartete Wendungen, und auch das Ende ist weder fulminant noch überraschend, nur konsequent skurril - was den ein oder anderen Leser enttäuschen mag. Wer einen klassischen Krimi erwartet, wird mit dem Schneemann nichts anfangen können, aber wer sich auf einen lakonisch-zynischen Ausflug in die Trostlosigkeit eines Kleinganoven einlassen will, dem dürfte der Roman Vergnügen bereiten.
Heikko Deutschmann liest den Roman so, wie er geschrieben ist und ist deshalb eine sehr gute Besetzung. Zwar meint man manchmal, dass er mit den stimmlichen Nuancen der einzelnen Figuren durcheinander kommt, was aber den Gesamteindruck nicht wesentlich schmälert. |
| Weitere Bücher von Jörg Fauser: |
|
Keine weiteren Bücher gefunden
|
|
|