|
Zeugin der Toten (HB) von Elisabeth Herrmann
| Kurzbeschreibung: |
| Spuren eines quälend langsamen Todes, Blutlachen wie Seen, Hände, die verzweifelt Halt suchen. Judith Kepler hat viel gesehen. Sie wird gerufen, wenn die Spurensicherung geht. Sie macht aus Tatorten wieder bewohnbare Räume. Sie ist ein Cleaner. In der Wohnung einer grausam ermordeten Frau begegnet sie ihrer eigenen Vergangenheit. Die Tote kannte Judiths Geheimnis. Unter mysteriösen Umständen war Judith als Kind in ein Heim gebracht worden. Herkunft unbekannt. Immer im Schatten dabei: die Staatssicherheit. Als Judith Fragen zu stellen beginnt, gerät sie in das Visier mächtiger Gegner. |
| Rezension: |
Judith Kepler ist Cleanerin, eine Reinigungskraft, die gerufen wird, wenn die Spurensicherung mit einem Tatort fertig ist und die Räume wieder so gesäubert werden müssen, als hätte hier niemals ein Verbrechen stattgefunden. Eine ungewöhnliche Protagonistin, die Elisabeth Herrmann in ihrem Roman zum Leben erweckt hat und doch passt sie in diesen ungewöhnlichen Thriller. Ungewöhnlich ist er zum einen, weil er fast ohne Blut auskommt und zum anderen, weil er sich einem eher untypischen Thema widmet: der Spionage in der ehemaligen DDR und dem Westen. Der Autorin gelingt es auf beeindruckende Weise, in mehreren Erzählsträngen die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen und so die Zeit heraufzubeschwörungen, in der in unserer direkten Nachbarschaft Menschen lebten, die niemandem vertrauen konnten und bei kritischen Äußerungen oder Handlungen um ihr Leben fürchten mussten. Doch nicht nur die Vergangenheit, auch die Gegenwart bleibt von der politischen Situation vor 30 Jahren nicht unberührt und nach dem Hören dieses außergewöhnlichen Krimis stellt sich sicher so mancher Hörer die Frage, ob nicht die ein oder andere Begebenheit durchaus realistisch sein könnte. Einige unerwartete Wendungen lassen die Spannung durchgehend auf hohem Niveau, so dass (zumindest im Hörbuch) keine Längen auftreten.
Ein Kriminalroman mit Tiefgang, der auch ohne typische Action auskommt, zum Mitfiebern einlädt und zum Nachdenken anregt - eine wohltuende und gelungene Abwechslung unter den Kriminalromanen!
Nina Petri als Sprecherin unterstützt mit ihrer Sprecherleistung die besondere Atmosphäre des Romans und haucht den Figuren - allen voran Protagonistin Judith Kepler - Leben ein. Eine gelungene Besetzung, die ihre Aufgabe souverän meistert! |
|
|