In Christoph Hardebuschs jüngstem Roman mit dem wenig originellen Titel "Die Werwölfe" nimmt er uns mit in die Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts, als junge Männer von Adel sich auf ihre persönliche Grand Tour quer durch Europa begaben um ihren geistigen Horizont zu erweitern. Auch der literaturbegeisterte junge Italiener Niccolo Viviani macht sich auf diese Reise, bevor er auf Geheiß seines Vaters den Militärdienst beginnen soll, doch seine Reise soll sein Leben für immer verändern....
Christoph Hardebusch gelingt es ganz außerordentlich gut, die Atmosphäre und Stimmung des 19. Jahrhunderts einzufangen und wiederzugeben, seine fiktiven Figuren sind durchweg glaubwürdig, lebendig und authentisch. Ihr Zusammenspiel mit zahlreichen historischen Persönlichkeiten, denen wir in diesem Roman begegnen, ist absolut gelungen. Vor allem die Szenen um den berühmten englischen Dichter Lord Byron und seine nicht weniger berühmten Freunde, die sich einen Sommer lang in der Villa Diodati am Genfer See aufhielten, sind mit einer solchen Leichtigkeit in die Handlung eingebunden, dass man fast geneigt ist, die hier erzählten phantastischen Ereignisse zu glauben. Die Handlung selbst, die - ausgehend von einer romantischen Liebe - zunehmend an Tempo, Spannung und Action gewinnt, ist ein Leckerbissen für alle Freunde der Phantastik, die eine düstere Atmosphäre, legendäre Wesen wie Werwölfe und Vampire und einen erbitterten Kampf zwischen verschiedenen Mächten zu schätzen wissen. Eine Stärke des Romans liegt darin, dass Hardebusch auf eine klare Schwarz-Weiß-Malerei verzichtet, seine Figuren nicht nur gut oder nur böse zeichnet und ein Finale liefert, das durchaus Raum für eine Fortsetzung bietet.
Simon Jäger liest die Geschichte großartig und haucht den Figuren auf überzeugende Art und Weise Leben ein. Sowohl die düstere Grundstimmung als auch die temporeichen Kampfszenen sind so mitreißend gelesen, dass sich der Hörer mitten im Geschehen wähnt, ein großes Kompliment! |