|
Ein fabelhafter Lügner von Susann Pasztor
| Kurzbeschreibung: |
"An einem sonnigen Herbstmorgen im September 1959 schickte Jozsef Molnar sich an, seinem Leben ein Ende zu setzen. Schon am Abend zuvor hatte er in einer Bahnhofsgaststätte nach passenden Abschiedsworten für seine Liebsten gesucht und die drei Briefe eingeworfen..."
Joschi Molnár bleibt ein Rätsel. Der famose Fabulierer hat seinen Kindern etliche Versionen seines Lebens hinterlassen. Als sich die Halbgeschwister Hannah, Marika und Gabor in Weimar treffen, um Joschis hundertsten Geburtstag zu feiern, prallen Welten aufeinander. In rasanten Dialogen und skurrilen Szenen nähern sie sich der Wahrheit - und finden zueinander. Joschi Molnár hatte fünf Kinder mit fünf verschiedenen Frauen, verlor zwei Kinder und seine zweite Frau in Auschwitz, war Häftling in Buchenwald - und hinterließ ein Vermächtnis aus phantastischen Geschichten, tragischen Verstrickungen und faustdicken Lügen. Dreißig Jahre nach seinem Tod bringt sein Geburtstag die Geschwister zum ersten Mal zusammen. Ganz unterschiedliche Vaterbilder kommen zum Vorschein. Der Verräter. Der Abwesende. Der Geschichtenerzähler - und: der Tausendsassa mit Witz und Ideen. Während Hannah sich leidenschaftlich mit ihren jüdischen Wurzeln identifiziert und von einem Happy End in Israel träumt, hadert Gabor mit seiner Kindheit und bezweifelt Joschis jüdische Herkunft. Marika gibt die tapfere Alleinerziehende, verehrt Joschi für seinen Einfallsreichtum - und überlässt das Erzählen ihrer Tochter Lily. Überhaupt Lily: Die 16-Jährige hat sich eigentlich für ein Referat über Buchenwald gemeldet und erzählt stattdessen diese bezaubernde Geschichte. Was folgt, ist ein Wochenende voller Überraschungen, Missverständnisse, Streitereien, Geständnisse und Gelächter. Als Lily einen illegalen nächtlichen Festakt zu Joschis Ehren durchsetzt, ist der entscheidende Schritt zur Versöhnung getan - auch wenn der erstmal auf eine Polizeiwache in Weimar führt. |
| Rezension: |
Der Joschi war schon ein spezieller Mensch und das nicht nur, weil er 5 Kinder von 5 Frauen hatte. Drei davon haben den Krieg überlebt und treffen sich zum 100. Geburtstag ihres verstorbenen Vaters zu einem kleinen Familientreffen. Aus den Gesprächen und Gedanken und Erinnerungen entsteht ein ziemlich gutes Bild dieses Joschi, das zwar subjektiv ist, aber eben aus drei verschiedenen Blickwinkeln stammt. So unterschiedlich wie seine drei Kinder sind auch deren Meinungen über ihn - kein Wunder, haben doch ihre gemeinsamen Erlebnisse sie tief geprägt. Joschi schien "ein fabelhafter Lügner" gewesen zu sein und ein schier unerschöpfliches Repertoire an Geschichten zu besitzen, von denen keiner so genau weiß, welche nun wahr und welche erfunden ist. Und so diskutieren die drei auch lange Zeit nach seinem Tod noch darüber, ob die Geschichte seines Lebens denn überhaupt wahr war. Susann Pastor hat einen wunderbar vergnüglichen Familienroman mit ernstem Hintergrund geschrieben, der sich nicht nur mit der jüngeren und dunkelsten Vergangenheit Deutschlands, sondern auch mit den zutiefst menschlichen Sorgen, Ängsten, Sehnsüchten und Hoffnungen auseinandersetzt. Egal wie ernst die Situation auch ist, sie beschreibt sie mit einer wunderbar warmherzigen Leichtigkeit ohne dabei die Tragik der Geschichte zu verharmlosen. Für mich hätten die Gespräche und das Wiedersehen von Joschis Kindern (und nicht zu vergessen Enkeltochter Lily, die Ich-Erzählerin der Geschichte) ruhig noch viele Seiten weitergehen können, ich habe sie alle in mein Herz geschlossen!
(P.S.: Für alle, die mit Namen und Verwandtschaftsverhältnissen schnell durcheinander kommen, sei empfohlen, sich einen Stammbaum von den Figuren anzulegen!) |
| Weitere Bücher von Susann Pasztor: |
|
Keine weiteren Bücher gefunden
|
|
|