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Luftschiff von Stefan aus dem Siepen
| Kurzbeschreibung: |
"Nebelschlieren trieben vor sich hin, strichen um die silbergrauen Hangars, rissen die roten und gelben Lichterketten der Landebahn in Stücke und fügten sie wieder zusammen. Auf dem Tempelhofer Flugfeld wurde die Berlin zum Aufstieg bereit gemacht, die im regelmäßigen Transatlantikdienst Europa mit Amerika verband und hier wie dort so berühmt war, so viel unsicheres Nachdenken, zwischen Superlativen herumtappende Bewunderung auslöste wie vor ihr nur die Titanic..."
Für Oberregierungsrat Neise geht ein lang ersehnter Traum in Erfüllung: die Reise mit dem Luftschiff von Berlin nach Amerika. Es sind die 20er Jahre, die Welt ist in Bewegung und der Beamte Neise möchte für einen kurzen Moment der Alltagsroutine seines Schreibtisches entfliehen. Endlich ist es soweit: das Luftschiff startet von Berlin Tempelhof, Neise richtet sich in seiner behaglichen Kabine penibel ein. Er besichtigt die Bibliothek, das Raucherzimmer, den Salon, lauscht den angenehmen Klängen des Bordorchesters, knüpft interessante und kuriose Bekanntschaften und erlebt den sagenhaften Anblick von Paris aus der Luft. Entgegen seinen sonstigen Gewohnheiten gönnt sich Neisesogar ein Techtelmechtel, das ihn zu tiefschürfenden Gedanken über die Philosophie der Liebe anregt. Nach drei Tagen angenehmster Fortbewegung und gepflegter Unterhaltung soll das Luftschiff in Amerika landen. Doch aus unerklärlichen Gründen kommt alles ganz anders, Raum und Zeit existieren nicht mehr, die eben noch so kleine, bürgerlich-heile Gesellschaft steuert dem unvermeidlichen Chaos entgegen... |
| Rezension: |
| Kafkaesk ist das Adjektiv, das den Roman "Luftschiff" in der Tat am besten beschreibt. Was wie eine normale Reise mit einem Zeppelin in den 20er Jahren beginnt, entpuppt sich als ein absurdes Verwirrspiel, in dem so einiges anders ist als es scheint, aber - und das mag nicht jedem Leser gefallen - selbst am Ende keiner wirklich weiß, wie es denn tatsächlich ist. Stefan aus dem Siepen hat einen ungewöhnlichen, aber fesselnden Erzählstil, der seine Figuren zum Leben erweckt und dennoch auf merkwürdige Weise auf Distanz hält, was die surreale Atmosphäre des Romans noch verstärkt. Bemerkenswert ist, ihre Entwicklung zu verfolgen, die sowohl überraschend als auch zwingend erscheint. Das Gefühl, das "Luftschiff" vermittelt, ist schwer zu beschreiben, es lässt den Leser etwas in der Luft hängen, tupft Episoden und Begegnungen wie Wolken um den ungewöhnlichen Handlungsort herum und gibt Raum für viele eigene Gedanken und Interpretationen. Das gilt insbesondere für das Ende, was mir in diesem Fall nicht ganz so gut gefallen hat. Dennoch ein interessanter Roman, der ebenso anspruchsvoll wie skurril ist! |
| Weitere Bücher von Stefan aus dem Siepen: |
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