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Die Tage vor Los Alamos von Joseph Kanon
| Kurzbeschreibung: |
"Eine Mrs. Rosa Ortiz fand die Leiche. Gewöhnlich verließ sie bei Sonnenaufgang das Haus, aber an diesem Morgen war sie noch früher dran..."
New Mexico, Frühjahr 1945: Unter dem Decknamen "Manhattan Project" arbeiten in Los Alamos hochrangige Wissenschaftler, darunter viele Emigranten aus Europa, fieberhaft an der Fertigstellung der ersten Atombombe. Als der Sicherheitsbeamte Karl Brauner in der Nähe von Santa Fe ermordet aufgefunden wird, erhält Michael Connolly, der für das "Office of War Information" arbeitet, den Auftrag, diesen Fall diskret aufzuklären, ohne das Projekt zu verzögern oder gar zu gefährden. Connolly steht vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Er flüchtet sich in eine Affäre mit Emma, der Frau des polnisch-jüdischen Wissenschaftlers Daniel Pawlowski, in die er sich schon am ersten Abend in Los Alamos verliebt hatte. Die Engländerin ist nicht nur eine sehr attraktive Frau und begeisterte Anthropologin, die Connolly in die längst versunkene und geheimnisvolle Welt der Anasazi-Indianer einweiht: Emma Pawlowski hat auch viel mehr mit dem Mordfall Brauner zu tun, als Connolly zunächst ahnt... |
| Rezension: |
Los Alamos 1945: Eine völlig abgeschottete Stadt, in der die besten Wissenschaftler der Welt dabei sind, durch die Entwicklung einer neuen Waffe, den Zweiten Weltkrieg endgültig zu beenden. Das, was auf dem Hügel in der Wüste von New Mexico nur als "das Spielzeug" bezeichnet wird, wird die ganze Welt verändern, doch nur die wenigsten der Menschen, die an dem streng geheimen Projekt beteiligt sind, machen sich darüber Gedanken. Als einer der Sicherheitsleute meilenweit entfernt tot und mit heruntergelassener Hose aufgefunden wird, gilt es, den Fall möglichst schnell und glatt aufzuklären, denn oberste Priorität ist, das Projekt nicht zu gefährden. Um keinen Preis. Spezialagent Michael Connolly, eigentlich dafür zuständig, die Ereignisse des Krieges, in den Zeitungen "schön zu schreiben", soll den Tod des Mannes unauffällig aufklären und gerät mitten hinein in einen Mikrokosmos mit eigenen Regeln.
Joseph Kanon hat mit "Die Tage vor Los Alamos" eine Spionagegeschichte geschrieben, die weniger durch ihre Spannung und ihre Raffinesse als durch ihr besonderes Setting überzeugt. Die Umgebung, die Strukturen, die fiktionalen wie historischen Charaktere - alles ist glaubwürdig und lebendig, mit vielerlei Details versehen, beschrieben, so dass sich der Leser tatsächlich nach Los Alamos versetzt fühlt. Und dabei erlebt er genau die Unwirklichkeit, die wohl auch die damals Beteiligten erlebt haben mussten, die sich dem Bau der ersten Atombombe verschrieben haben. In dieser eigenen Welt aus Militär und Wissenschaft, die unter strengster Geheimhaltung existiert und in der sich alle nur dem einen Ziel verschrieben haben, gelten andere Gesetze, werden Persönlichkeiten zu Aufgabenerfüllern und individuelle Schicksale zu einer Aktennotiz. Es ist surreal, wie die endlose Weite der Wüste durch die Handlungen, die hier vor sich gehen, eine derartige Beklemmung auslösen kann und wie Menschen auf ihre eigene Art versuchen, auf die ein oder andere Art auszubrechen. Obwohl die Geschichte von Joseph Kanon in der Mitte einige Längen hat und ich sie als Spionagethriller kaum empfehlen würde, ist sie doch eine sehr überzeugende Beschreibung einer Ausnahmesituation, die sowohl befremdet als auch fasziniert und von diesem Aspekt her zu lesen lohnt! |
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