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Der zweisprachige Liebhaber von Juan Marse


Originaltitel: El almante bilingue
Der zweisprachige Liebhaber
Autor: Juan Marse
ISBN: 3612271148
Genre: Belletristik
Serie:
Ort: Spanien
Zeit: 80er Jahre
Sonstiges: k.a.
Note: Note: 3


"Als ich an einem regnerischen Nachmittag im November 1975 unerwartet nach Hause kam, lag meine Frau mit einem anderen Mann im Bett. Ich erinnere mich, dass ich beim Öffnen der Schlafzimmertür als erstes mich selbst sah, wie ich die Schlafzimmertür öffnete; noch heute, zehn Jahre nach dem Vorfall, da ich nur mehr ein Schatten meiner selbst bin, wirft mir der Schrankspiegel jedesmal, wenn ich ahnungslos das Schlafzimmer betrete, getreulich jenes zitternde Bild des Jammers entgegen, jenes alte Gespenst, das meinen Ruin herbeiführte..."

Was tun, wenn die eigene Frau mit einem Schuhputzer fremdgeht? Juan Marsé gibt in seinem hinreißend komischen Roman darauf eine Antwort und bezieht ganz nebenbei auch noch ironisch Stellung zur katalanischen Sprachenpolitik.


"Der zweisprachige Liebhaber" ist meiner Meinung nach kein "hinreißend komischer", sondern vielmehr ein tragischer, wenn auch durchaus mit schwarzem Humor durchzogener Roman. Als der Protagonist Juan Mares seine Frau, die offenbar ein Faible für spanische Zuwanderer aus dem Süden hat, in flagranti mit einem Schuhputzer erwischt, ändert sich sein Leben vollkommen. Seine geliebte Frau verlässt ihn und Juan gleitet immer tiefer ab in die Einsamkeit und hinaus aus seiner bürgerlichen Existenz. Erst als er die Idee hat, sich in einen Schuhputzer zu verwandeln, um seine Frau wieder zu erobern, hat sein Leben wieder einen Sinn...
Marses Roman enthält viele tragikomische Elemente, die sich alle um die Themen Doppelleben, Spiegelbild, Identität, Masken, die Suche nach dem Ich und dem Sinn des Lebens drehen. Seine Hauptfigur, zuerst ein bestenfalls durchschnittlicher Mann, verändert sich zusehends, seine innere und äußere Verwandlung wird ebenso wie das Verschwimmen von Realität und Fantasie sehr eindringlich beschrieben. Trotz aller Absurdität wirkt die Geschichte für mich letztlich eher traurig als komisch, auch das Ende konnte den tragischen Gesamteindruck nicht abmildern. Für Leser mit akutem Liebeskummer bestimmt heilsam oder zumindest tröstend, für Leser auf der Suche nach einer "hinreißend komischen" Geschichte eher irritierend. Leider sind mir zahlreiche Andeutungen auf die schon in der Kurzbeschreibung genannte katalanische Sprachenpolitik entgangen, mit dem entsprechenden Vorwissen würde dieser Aspekt der Geschichte ganz sicher noch mal eine ganz spezielle Würze verleihen.


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