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Das verlassene Boot am Strand von Scott O'Dell
| Kurzbeschreibung: |
"Nach starken Stürmen, die von den Inseln herüberwehen, ist unsere Küste mit kleinen Muscheln bedeckt. Sie sind nicht größer als Fingerspitzen, aber es ist eine so dicke Schicht auf dem Strand, dass man kaum gehen kann..."
Immer wieder hat Zia die Geschichte, von ihrer Tante Karana gehört, die auf der Insel allein zurückgeblieben war. Nach dem Tod ihrer Mutter fühlt sie sich für Karana verantwortlich. Sie will sie von der Insel auf das Festland holen. Als Zia nach einem Sturm ein verlassenes Boot am Strand findet, versteckt sie es mit ihrem Bruder in der Lagune. Heimlich bereiten sie das Boot für die Fahrt zu der Insel der blauen Delphine vor und in einer Neumondnacht stechen sie in See. |
| Rezension: |
| "Das Gegenteil von gut ist gut gemeint" könnte die bittere Beschreibung der Missionsstation sein, in der Zia lebt. Einst ist Zia freiwillig aus ihrem Dort in die Mission gekommen, in der Hoffnung, dort könne ihr jemand helfen, ihre Tanta Karana von der benachbarten Insel der blauen Delphine zu holen. Doch mit wenigen Ausnahmen begegnen ihr die Menschen dort mit Überheblichkeit und Verachtung. Karana, die seit Jahren alleine auf der Insel lebt, spielt - anders als es der Klappentext vermuten lässt - nur eine Nebenrolle. Wer also eine echte Fortsetzung zu der "Insel der blauen Delphine" erwartet, wird enttäuscht sein. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Situation der Indianer zu der Zeit, als die Weißen sie "zivilisieren" und missionieren wollten und dabei in ihrem Übereifer Toleranz und Verständnis vergaßen. Auf gerade einmal 126 Seiten erhält man einen guten Einblick in diese Zeit, die von Willkür und Bevormundung geprägt ist und in der so viele unterschiedliche Menschen versuchen, auf unterschiedliche Weise ihr Glück zu machen. "Das verlassene Boot am Strand" ist genau wie sein Vorgänger lebensbejahend und endet voller Hoffnung, doch im Gegensatz zu dem Einklang mit der Natur, der zentraler Aspekt des Vorgängers war, geht es hier um das Zusammenleben verschiedener Kulturen - was um ein Vielfaches beklemmender ist. Dennoch empfehlenswert, insbesondere um der Zielgruppe einen ersten Eindruck über die historischen Ereignisse zu vermitteln, die hier nur exemplarisch dargestellt sind. |
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