|
Familiensilber von Sabine Friedrich
| Kurzbeschreibung: |
"Tarifa, die südlichste Stadt Kontinentaleuropas, liegt genau am Schnittpunkt zwischen der Westwind-Drift der nördlichen Tiefdruckgebiete und den südlichen Passatwinden. Wind- und Wellenverhältnisse ändern sich deshalb sehr schnell..."
Warum habe ich nur darauf bestanden, zu Hause in der Scheune zu feiern? fragt sich die 49jährige Barbara am Vorabend ihrer Silberhochzeit. Immer bleibt alles an ihr hängen. Doch schließlich soll es ein schönes Familienfest werden.
Ihre Familie: das sind die Nachkommen der Frauen, die bei der Flucht 1945 das wenige Familiensilber unter dem Apfelbaum im Danziger Garten versteckt haben. Obwohl die Ankündigung der Feier bei einigen zu Verspannungen und Fluchtgedanken geführt hat, haben alle ihr Kommen zugesagt. Die kleine Stadt Neuenburg – wo Jo Perling, der größte Arbeitgeber der Stadt, noch wie ein mittelalterlicher Burgherr alle Fäden in der Hand hat – ist für ein Wochenende die Bühne, auf der sich alles trifft: die Großtanten, Geschwister, Cousins, Nichten und Neffen, aber auch freundliche türkische Mitbürger, friedliebende Bauwagenbewohner, intrigante Kleinstadtpolitiker, Modepüppchen und schräge Typen mit fanatischem Ideengut.
Was zunächst als Geschichte eines großen Familienfests daherkommt, erweist sich bald als Momentaufnahme und Spiegelbild der Gesellschaft, in der wir leben. |
| Rezension: |
| Barbara und Gernot feiern ihre Silberhochzeit - mit der ganzen Verwandtschaft in der heimischen Scheune. Was nach außen hin wie ein glücklicher Anlass aussieht, verbirgt die Schicksale jedes einzelnen Familienmitglieds, das mit seinem eigenen Leben hadert und auf seine Weise gescheitert ist. Jeder trägt seine Erinnerungen, Erlebnisse und schmerzhaften Erfahrungen mit sich und zeigt sich nach außen dennoch fröhlich und glücklich. Dass dieser Eindruck alles andere als die Realität widerspiegelt, zeigt Sabine Friedrich in ihrem behutsam kombinierten Familienroman, der die ganze Tragik enthüllt, über die in einer Familie sonst nur geschwiegen wird. Es sind nicht nur die großen Schicksalsschläge, es sind auch die kleinen Nöte und Sorgen, die sich zu einem persönlichen Unglück zusammenfügen, die vor dem Leser ausgebreitet werden. Aus Sicht der verschiedenen Personen erzählt, ergibt sich ein Puzzle einer ganz normalen Familie, in der sich der Leser das ein oder andere Mal schmerzlich wiedererkennt. Durch die verschiedenen Erzählperspektiven wird das Bild niemals eindimensional, sondern facettenreich und erscheint - je nach Blickwinkel und Wahrnehmung - immer etwas anders. Das Schicksal der vier Generationen der Familie Jaschke/Jensen ist eingebettet in die jeweilige politische Situation, so dass der Leser hier nicht nur einen Familienroman erhält, sondern zugleich Teil der Zeitgeschichte ist und mit aktuellen globalen Problemen konfrontiert wird. Sabine Friedrich hat einen eindringlichen, aber keineswegs aufdringlichen Stil zu erzählen, der berührt, Mitgefühl hervorruft und leise zur Reflexion des eigenen Lebens anregt. Eine rundum gelungene, fein gewobene Geschichte über eine Familie, die trotz aller Unterschiede schmerzlich vertraut erscheint. |
|
|