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Alte Schule von Tobias Wolff


Originaltitel: Old School
Alte Schule
Autor: Tobias Wolff
ISBN: 3827005272
Genre: Belletristik
Serie:
Ort: USA
Zeit: 60er Jahre
Sonstiges: k.a.
Note: Note: 4


"Robert Frost besuchte uns im November 1960, nur eine Woche nach den Präsidentschaftswahlen. Es sagt etwas über unsere Schule aus, dass die Aussicht auf sein Kommen mehr Interesse auslöste als der Kampf zwischen Nixon und Kennedy, der für die meisten von uns gar kein Kampf war..."

Dies ist das Amerika von 1960, das Amerika, in dem John F. Kennedy gerade Präsident geworden ist. Die Jungen, Schüler eines der besten Internate an der amerikanischen Ostküste, sind den Idealen ihrer Schule verpflichtet, und dennoch herrscht hier das Gesetz der Klasse. Die Söhne aus reichen Familien verraten sich nicht nur durch ihre Kleidung, sondern auch durch ihre gesellschaftliche Routine und durch die Selbstsicherheit, mit der sie auf den Platz zusteuern, der ihnen von Geburt an zuzukommen scheint. Nichts davon trifft auf den Erzähler zu, der als Sohn einer jüdischen Familie nur in einer Hinsicht mit den anderen wetteifern kann - in dem besonderen Snobismus literarischer Kultur. Denn die Helden dieser Jungen sind Schriftsteller: Fitzgerald, Cummings, Kerouac. Als bekannt wird, dass Hemingway die Schule besuchen wird und dem Jungen, der den besten Aufsatz schreibt, eine persönliche Audienz mit dem großen Dichter zufällt, bricht die Konkurrenz unter den Jungen mit aller Härte aus, und der offizielle Verhaltenskodex der Schule - Ehre, Loyalität, Freundschaft - zerbricht unter diesem Druck.


Dass "Alte Schule" autobiographische Züge trägt, wird erst gegen Ende klar und mit diesem Wissen hätte man den Roman vermutlich mit etwas anderen Augen gelesen. Als reiner Roman konnte mich die Geschichte allerdings leider nicht überzeugen, sondern lässt ein gewisses "Geschmäckle" zurück. Dies liegt zum einen daran lag, dass der Funke nie wirklich übergesprungen ist. Zwar gibt es einzelne Passagen, in denen es der Ich-Erzähler vermag, einen Eindruck vom Leben an einem amerikanischen Elite-Internat Anfang der 60er Jahre zu vermitteln, doch die aufkeimende Atmosphäre hielt immer nur wenige Seiten an und wich dann - zumindest bei mir - beginnender Langeweile. Die Selbstdarstellung des Ich-Erzählers ist gewöhnungsbedürftig, und die der auftretenden (oder auch nur erwähnten) "großen" Schriftsteller wie Robert Frost, Ayn Rand und Ernest Hemingway mag treffend sein, aber zumindest im Fall von Ayn Rand so negativ, dass ich um ihre - mir bislang unbekannten - Werke wohl auch zukünftig einen großen Bogen machen werde. Apropos unbekannt: Wer die Romane oder die Lyrik der Schriftsteller nicht kennt, dem dürften viele Anspielungen und Diskussionen entgehen, die Wolff seinen Protagonisten in den Mund legt. Der zweite große Kritikpunkt betrifft das Ende, das nicht nur überstürzt, sondern auch irgendwie zusammenhangslos daherkommt und statt Fragen zu beantworten eher Verwirrung hervorruft. Wolff mag erzählen können, das will ich nicht bestreiten, aber mit "Alte Schule" konnte er mich weder inhaltlich noch stilistisch überzeugen.


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