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Sevillas bittere Orangen von Antonio Sarabia
| Kurzbeschreibung: |
"Du kommst mit, Bruder Buch, murmelte Alonso Alvarez und griff nach der dicken, vor zehn Jahren in Valencia von Nikolaus Spindeler gedruckten Ausgabe des Tirant lo Blanc, die in der Druckerei, wo Alonso arbeitete, pfleglich auf einem hohen Bord gehütet wurde. Dort nahm er das Buch an jenem Morgen herunter, nachdem er seine Tintenfinger an der fleckigen Arbeitsschürze abgewischt hatte, und fuhr liebevoll mit der Hand über den Einband..."
Sevilla, 1500. Wie eine einsame Wacht erhebt sich die prächtige Silhouette der Torre del Oro am Ufer des Guadalquivir, um die aus indischen Landen zurückkehrenden Karavellen zu begrüßen. Jubelnd empfängt die Menge die heimkehrenden Seefahrer und lauscht gespannt ihren Erzählungen von der Entdeckung der "Neuen Welt" und ihren Bewohnern: dunkelhäutigen Wesen, die keine Kleidung tragen und kannibalischen Neigungen nachgehen. Als zwei von ihnen – gerade auf die Namen Cristobalillo und Catalina getauft – als Sklaven in Sevilla eintreffen, sind sie zunächst befremdet von den Abfallhaufen und den Elendshütten außerhalb der Stadtmauer. Hat man ihnen die neue Heimat doch als kulturelles Vorbild gepriesen. Und wie sollen sie, die sie überhaupt nicht wissen, was das Wort "Besitz" bedeutet, verstehen, dass sie plötzlich keine freien Menschen mehr sind? Die Wilden treffen auf die Zivilisation – sollte man meinen. Doch die Welt der Eroberer ist längst nicht so kultiviert, wie sie zu sein vorgibt, und hält für die Indios noch so manche Überraschung bereit. |
| Rezension: |
| Acht Jahre ist es her, dass Christoph Columbus auf seiner Suche nach einer Westpassage nach Indien Amerika entdeckt hat. Aber das weiß zu diesem Zeitpunkt natürlich niemand, auch wenn sich einige wundern, warum in den eroberten Ländern die typischen asiatischen Tiere nicht gesichtet wurden und die Menschen dort offenbar noch nie etwas vom Großen Khan und anderer berühmter Herrscher Asiens gehört haben... Inmitten dieser turbulenten Zeit begleiten wir den jungen Druckerlehrling Alonso und seinen Freund Bartolome mit dessen Indio-Sklaven durch die Straßen Sevillas und verfolgen ihre teils philosophischen Gespräche über Gott und die Welt, die politische Situation im allgemeinen und speziellen und lernen nebenbei das Leben der kleinen Leute, der Seefahrer und der Sklaven kennen, die aus ihrer Welt herausgerissen und in eine vermeintlich zivilisiertere Welt verschleppt wurden. Die blühende Seefahrerstadt Sevilla versteckt so einige "bittere Orangen" und Sarabia schildert eindrucksvoll aus verschiedenen Blickwinkeln die unterschiedlichen Einstellungen, Überzeugungen und Vorurteile seiner Figuren. Diese bleiben für den Leser etwas distanziert, vermitteln aber dennoch einen guten Einblick in eine Epoche, in der sich das Weltbild auf vielfältige Weise verändert hat. Für den anspruchsvollen Leser, der sich für den Beginn des 16. Jahrhunderts interessiert und dabei gerne hinter die Kulissen schaut, durchaus zu empfehlen! |
| Weitere Bücher von Antonio Sarabia: |
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