| Tom Ripley ist ein Gauner. Zuerst nur einer, der Spaßanrufe macht und so naiven Bürgern Schecks entlockt. Dann lernt er Mr. Greenleaf kennen, der ihm ein verlockendes Angebot macht und Tom merkt, daraus könnte man noch mehr machen... Tom Ripley ist ein zwiespältiger Charakter und genauso zwiespältig ist auch die Sympathie, die man ihm gegenüber empfindet. Man schmunzelt über die Telefonstreiche, aber seine Art ist irgendwie abstoßend, er klebt förmlich an seinem neuen "Freund", vereinnahmt ihn, die Sympathien wechseln zu Dickie Greenleaf. Doch sein Verhalten Tom gegenüber ist auch nicht richtig, Mitleid keimt auf, man erinnert sich an den Waisenjungen Tom, der von einer fiesen Tante Dotti (der Name sagt alles) aufgezogen wurde, und das in doppelter Bedeutung. Man wünscht ihm doch nur etwas Glück, doch wenn er es sich nimmt, auf seine eigene, Tom Ripleys Weise, schüttelt man angewidert den Kopf. Patricia Highsmith schafft es, den Leser in ein Wechselbad der Gefühle, der Faszination und Anziehung und der Verachtung und des Abstoßens zu werfen, sie spielt mit ihrer Figur Tom Ripley die Gefühle des Lesers aus. Und doch, obwohl Tom ist wie er ist, oder wie er gelernt hat zu sein, um seine Ziele zu erreichen, fiebert man mit ihm mit, fühlt sich gehetzt und verfolgt, wünscht ihm das Entkommen - wenn da nicht tief in einem drin das Wissen um seine Taten wäre... Einmaliges Spiel der Gegensätze, deshalb Bestnote! |