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Ein komplizierter Akt der Liebe von Miriam Toews


Originaltitel: A Complicated Kindness
Ein komplizierter Akt der Liebe
Autor: Miriam Toews
ISBN: 3827005981
Genre: Belletristik
Serie:
Ort: Kanada
Zeit: 70er Jahre
Sonstiges: k.a.
Note: Note: 2


"Ich wohne mit meinem Vater Ray Nickel in diesem niedrigen Ziegelbungalow draußen am Highway 12. Blaue Fensterläden, braune Tür, ein kaputtes Fenster - nichts Besonderes..."

Nomis Jugend ist ungewöhnlich, denn ihre Eltern sind, wie alle in der Stadt, Mennoniten. Und diese Religionsgemeinschaft ist, so Nomi, eine der peinlichsten Sekten, die man sich als Teenager nur vorstellen kann. Das Leben, das sie führt, ist ganz anders als das ihrer Altersgenossen, weil die Gläubigen so ziemlich alles, was Spaß macht, verteufeln. Nur Beten, Arbeiten und Sterben ist erlaubt. Doch plötzlich verschwinden erst Nomis Schwester und dann ihre Muttter – wohin, das weiß niemand so genau, und so recht scheint das auch keinen zu interessieren. Angesichts der Sprachlosigkeit der frommen Gemeinde überfällt der überraschende Verlust das Mädchen wie ein Schock – von einem Tag auf den anderen bleibt sie mit ihrem Vater allein zurück, und es dauert eine ganze Weile, bis es den beiden, jedem auf seine Art, gelingt, sich aus den Zwängen der Religion zu befreien.


Nomi ist ein ganz normaler Teenager, lebt aber ein außergewöhnliches Leben. Ihre Eltern sind Mennoniten und so muss sich Nomi an Regeln halten, die für andere Teenager undenkbar wären. Wirklich schlimm ist es für sie jedoch, als zuerst ihre Schwester und dann ihre Mutter von einem Tag auf den anderen spurlos verschwindet. Wie sie versucht, ihr Leben mit ihrem weiterzuleben, diesen zu unterstützen und trotzdem ein ganz normaler Teenager zu sein, erzählt Miriam Toews in "Ein komplizierter Akt der Liebe" wunderbar behutsam und warmherzig. Nomi ist so authentisch und so liebenswürdig, dass sich der Leser sofort in sie hineinversetzen kann und ihre Sehnsüchte ebenso wie ihre Wut nachvollziehen kann. Mit einem ordentlichen Schuss Humor liest sich die aus der Sicht von Nomi erzählte Geschichte flüssig, unterhaltsam und ist trotz ihrer Leichtigkeit tiefgründig. Ungewohnt ist, dass es in dieser Geschichte nur so wenig Personen gibt, von denen die Hälfte nur noch in Nomis Gedanken und (allerdings meist sehr schönen und lustigen) Erinnerungen existiert. Mir persönlich sind am Ende zu viele Fragen offen und zu viele lose Enden geblieben, die zwar Raum für die Fantasie des Lesers bieten, aber irgendwie auch einen unbefriedigenden Eindruck hinterlassen. Dennoch eine schöne Geschichte, die sich zu lesen lohnt und für mich sicher nicht der letzte Roman von Miriam Toews!


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